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Inzucht

Linienzucht ist engste Inzucht. Ob sie ethisch vertretbar ist, sehen Menschen unterschiedlich. Bei Menschen ist Inzucht im Gesetzestext verboten. Bei Tieren im Sinne der Nutzung erlaubt.
Wer sich der Methodik der Inzucht hingibt, sollte immer bedenken, dass es sich um Lebewesen handelt! Es sind Lebewesen mit Empfindungen! Keine Sachen oder Spielzeuge!
Man hört häufig die Meinung, dass durch die Inzucht bei sachgemäßer Anwendung keine Nachteile, keine Erbkrankheiten zu erwarten sind. Das stimmt so aber nicht! Man muss schon eine ganze Menge Daten der Linien (oder entsprechende Erfahrungen) haben, um das Risiko zu mindern. Das setzt aber objektive und lückenlose Aufzeichnungen voraus. Darüber hinaus haben wir im Augenblick nur die Möglichkeit aufgetretene Erbkrankheiten und Defekte zu registrieren. Man geht also immer ein Risiko ein, ein bisher noch nicht aufgetretenes Problem zu Tage zu fördern.
Während es sich bei den Erbkrankheiten "nur" um ein Risiko handelt, kann man geradezu davon ausgehen, dass sich über kurz oder lang Vitalstörungen und Inzuchtdepressionen einstellen werden. Eine israelische Untersuchung hat ergeben, dass die Vitalität einer Rasse entscheidend davon abhängt, wie viele unterschiedliche genetische Merkmale in ihr vorhanden sind. [Anm. Alex: Also erreichen wir durch die Selektion der Vitalsten Tiere eine Minderung des Verlustes von Genetischer Variabilität]
Offenbar benötigt ein Organismus möglichst viele unterschiedliche Geninformationen für seine Reaktionen auf Umwelteinflüsse. Sonst kann es sein, dass er z.B. Infektionskrankheiten nicht mehr gewachsen ist. [Anm. Alex: Je ähnlicher sich zwei Tiere (Genetisch) sind, desto mehr Genverlust erleidet es bei einer Verpaarung.]
Das Fatale ist, dass wirkliche Probleme sich erst nach längerer Zeit bemerkbar machen können. Das sorgt für ein trügerisches Sicherheitsgefühl: Wir machen nun schon solange Linien- und Inzucht und noch ist kein Problem aufgetreten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen aber das Gegenteil. [Anm. Alex: Deshalb sollte man bei Linienzucht nie darauf warten, bis Degenerationserscheinungen auftreten, sondern schon vorher die Linen Einkreuzen!]

Von:
Gekürzte Version von Peter von Döllen, Hundezüchter und Buchautor

Doch was genau passiert bei Inzucht, wie funktioniert sie?

Einfach gesagt, wenn sich 2 identische Geninformationen aus 2 verschiedenen verpaarten Tieren treffen, so sind sie in dem neuen Tier eine Information. Treffen sich aber 2 unterschiedliche Geninformationen in einem Tier, so bleiben sie in dem neuen Tier auch als 2 verschiedene Informationen erhalten (wovon eine rezessiv und die andere dominant sein kann, aber auch beide gleich dominant oder rezessiv sein können. Kurz gesagt, je ähnlicher sich die Tiere sind, also identische Geninformationen haben, desto mehr leiden die Nachkommen an verlust von Genvariabilität, durch Informationsverlust der schwindenden Gene. Dies führt evolutorisch gesehen zu einem Zerfall des Organismus. 
Aber: Überlebt(!) eine Population eine längere Phase intensiver Inzucht, hat sie sich rezessiver Allele entledigt und kann dauerhaft in dieser Population (ohne weitere Probleme) mit hoher Fitness leben! Dies ist das angewande Prinzip in der Labormaus herstellung.

Von: Alexander Maaß