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Der Guppy / Millionenfisch - Poecilia reticulata Peters, 1859

Gehört in die Ordnung der Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes) und Familie der lebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae). Er erreicht eine Größe von 3-5cm und die Wildform kann bis zu 8 Jahren alt werden, wohingegen Hochzuchtguppys ein alter von nur rund 2 Jahren bei guter Haltung erreichen. Die Männchen der Gattung sind farbenprächtiger gegenüber den Weibchen, vom Körperbau kleiner und haben ein Gonopodium.

Die Ernährung gegenüber sind sie Allesfresser und wenig wählerisch. Sie sollten bevorzugt, wie meist alle Tiere, mit Lebendnahrung ernährt werden, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Der Gesetzgeber schreibt eine Mindestbeckenlänge zur Dauerhaltung ab 60cm vor, was ich hier befürworte.

Sozialverhalten sind sie Gruppentiere, was bedeutet sie sollten mit mindestens 5 Tieren gehalten werden, um sich wohl zu fühlen. Die Weibchen, welche ab 2-3 Monaten Geschlechtsreif sind, bringen rund alle 4 Wochen Nachwuchs zur Welt, sie sind Lebendgebärend. Ein durchschnittlicher Wurf beträgt zwischen 20-40 Jungtieren. Auch ein noch nicht geschlechtsreifes Weibchen kann, wenn es befruchtet wird, Spermienpakete des Männchen bis zur ihrer eigenen Eireife speichern, und so bis zu 11 mal Werfen, ohne ein weiteres mal Befruchtet zu werden. Männchen können schon ab der 5 Woche Geschlechtsreif werden.Ursprünglich kommt der Guppy aus Brasilien (nördl. d. Amazonas) Venezuela, Guyana, Trinidad und Barbados. Heute gibt es ihn in allen wärmeren Gebieten der Erde.Bevorzugt tummelt er sich in Temperaturen von 22°C-30°C Grad, bei einem ph-Wert von 6-8,5 und einer Gesamthärte von 15 GH

Heutzutage finden wir im Handel meist Guppys von Großerzeugern mit durchschnittlicher Qualität. Die meisten von ihnen sind zur Hochzucht nicht oder nur bedingt geeignet. Hochzuchtguppys, dessen Preise oft um das 10 Fache von Zooladenguppys liegen können, erhaltet man von Hobbyzüchtern und in entsprechenden Vereinen.

Weitere genauere Daten und vor allem zur Zucht müssen den entsprechenden Literaturen entnommen werden.

Anatomie

  1. Mundöffnung mit Lippen, Riechgrube mit Nasenlöchern, Auge
  2. Pectorale (Brustflossen)
  3. Seitenlinie
  4. Dorsale (Rückenflosse)
  5. Schwanzstiel
  6. Caudale (Schwanzflosse)
  7. Anale (Afterflosse) bzw. Gonopodium beim Männchen
  8. Ventrale (Bauchflossen)
  9. After, dahinter Kloake

Innere Organe

  1. Gehirn
  2. Nieren
  3. Schwimmblase
  4. Darm
  5. Samendrüsen
  6. Fettmasse
  7. Magen
  8. Leber
  9. Herz
  10. Kiemen

Die Anatomie des Guppy

Das Leben im Wasser hat mannigfache Formen entwickelt. Von den knochenlosen Gallerten aus weichem Protoplasmen vertreten durch Quallen über die niedrigen und höheren Krebsen, zu den primitiven Fischen mit knorpeliger Wirbelsäule und solchen mit echten Skelettknochen, bis hinauf zu den hochentwickelten Lebensformen, die gleichermaßen im Wasser schwimmen, als auch mit flügelartigen Flossen über den Wellen segeln können. Der Guppy ist einer der kleineren Vertreter der ungeheuer mannigfaltigen Arten der großen Fischfamilie. Er lebt im tropischen Warmwasser, kann aber auch Brackwasser vertragen und gehört - wie wir schon gesehen haben - zur Familie der Zehnkarpfen.
Seine Färbung verdankt der Guppy mikroskopisch kleinen Farbflecken, die in die Haut eingelagert sind und Melanophoren genannt werden. Die große Verschiedenheit der uns bekannten Rassen resultiert aus Anzahl und Anordnung dieser Farbkleckse, die mit Ausnahme bei den am längsten durch Inzucht fortgepflanzten Exemplaren auftreten. Die äußere Form des Fisches wird durch das Skelett bedingt. Die Wirbelsäule läuft vom Kopf bis zum Schwanz.
Sie wird aus einer großen Zahl feiner, durchlöcherter Knochen - Wirbel genannt - gebildet. Der Kopf mit Gehirnschale oder Schädel stellt den vorderen Abschluß der Wirbelsäule dar. Ober - und Unterkiefer sind aus Knochen gebildet. Die Rippen, mit der Wirbelsäule verbunden, schützen die meisten Organe, wie das auch bei uns der Fall ist. An verschiedenen Stellen des Körpers sind Flossen angesetzt. Becken - und Schultergürtel stützen die paarigen Flossen. Zwei Knochenplatten auf jeder Seite des Kopfes decken die Kiemen ab.
Die Rückenflosse des Guppys ist oft die Krönung des ganzen Fisches, zumal sie sich gerade am höchsten Punkt der Wirbelsäule hochrichtet oder schwungvoll abwärts senkt. Oft genug erstreckt sie sich auch - besonders bei manchen Rassen und Formen - bis über das Ende des Schwanzes. Die beiden dreieckigen Flossen an den Seiten kurz hinter dem Kopf werden Brustflossen genannt. Der Körper endet in der Schwanz - oder Caudalflosse. Die Flossen an der Unterseite des Körpers heißen je nach Anordnung: in der Mitte die Bauchflossen, auch Ventralen genannt, weiter hinten die einzelne After - oder Analflosse, die eigentlich eine doppelte Reihe von Flossenstrahlen enthält, doch so nahe aneinandergelegt, daß sie wie eine einzige erscheinen.

Die Flossen werden durch zwei Arten von Strahlen gestützt. Die eine Art ist hart und unverzweigt, die andere dagegen weich und verzweigt, mit Segmenten. Die Schwimmbewegung wird fast ausschließlich durch den Schwanz ausgeführt, und zwar durch Bewegung desselben in Form einer Acht. Alle anderen Flossen unterstützen die Aufwärts - und Abwärtsbewegungen des Fisches und seine Gleichgewichtslage. Beobachten Sie selber einmal einen Guppy, und Sie werden feststellen, daß er sich hauptsächlich durch Körperwendungen in die eine oder andere Richtung dreht.

Verdauungssystem

Guppy haben bezahnte Kiefer und Gaumen. In der Mundhöhle befindet sich eine Zunge; dahinter der Schlund. Zu beiden Seiten des Schlundes lassen Kiemenschlitze Wasser in die Kiemenhöhle. Vom Schlund zum umfangreichen Magen führt eine kurze Speiseröhre, Oesophagus genannt. Vom Magen aus befördern die Eingeweide die verdaute Nahrung auf vielfach gewundenem Wege bis zum After, dessen Öffnung sich dicht vor der Afterflosse befindet. Zur Verdauung sondert die Leber des Guppy Galle ab, wohingegen die Milz bei der Reinigung des Blutes hilft. Wie sich aus dem täglichen großen Nahrungsverbrauch des Guppys ergibt, verläuft die Verdauung sehr rasch.

Blutkreislauf

Das Herz ist wesentlich anders gebaut als das der Säugetiere. Es hat zwei Herzkammern an Stelle von vier, Herzrohr und Ventrikel genannt. Das zirkulierende Blut wird beim Kontrahieren des Herzens aus dem Ventrikel in die Kiemen gedrückt, wo es Sauerstoff aufnimmt und Kohlensäure abgibt. Das mit Sauerstoff angereicherte Blut wird in die Rückenarterie - die sich in kleine und kleinste Gefäße verzweigt - durch den ganzen Körper gepumpt. Das Blut gibt in den feinsten Gefäßen den Sauerstoff ab und nimmt Kohlensäure und Abfallprodukte wieder auf. Es fließt dann durch die Venen zum Herzen wieder zurück. Neben den Venen sorgen auch die Lymphgefäße dafür, das Blut aus den feinsten Gefäßen wieder zum Herzen zu transportieren, um von dort aus wieder in die Kiemen gepumpt zu werden.
Die Kiemen, die dem Fisch als Organ für den Sauerstoff - Kohlensäure - Austausch dienen, werden wegen ihrer exponierten Lage leicht von Krankheiten befallen. Jede Kieme besteht aus einem Knochenbogen, der an seiner Außenfläche zahnartige Gebilde aufweist, Kiemenrechen genannt. Er besitzt an der Hinterseite oder auf der hinteren Oberfläche Kiemenblättchen, die dauernd von Wasser umschlossen werden, das vom Maul aus durch die Kiemenöffnung gepreßt werden.

Die Schwimmblase

Der Guppy hält sein Gleichgewicht und seine Position im Wasser mit Hilfe einer Luftblase im Inneren des Körpers. Zahlreiche Blutgefäße durchziehen die Blasenwand und helfen, den gasförmigen Inhalt aufrechtzuerhalten, indem sie die zugeführte Sauerstoffmenge so regulieren, daß sowohl die Schwimmblase ein Luftreservoir bildet, als auch ein Organ ist, das den Fisch in die Lage versetzt, sich dem Wasserdruck anzupassen. Versuche haben gezeigt, daß das Gas in der Schwimmblase einen höheren Prozentsatz Kohlensäure enthält, als die normale Atmosphäre.

Fortpflanzungssystem

Die eierlegenden Fische werden ovipar genannt. Diejenigen, die ähnlich wie die Säugetiere lebende Junge zur Welt bringen, nennt man vivipar. Die Arten jedoch, deren Eier im Mutterkörper reifen und deren Jungen bei der Geburt aus dem Ei schlüpfen, werden als ovovivpar bezeichnet. Die Eierstöcke werden von winzig kleinen Zellen, den Keimepithelien, durchzogen, die sich teilen und so die Nachkommenschaft entstehen lassen. Nach erneuter Spaltung und Entwicklung werden sie zu Eiern, aber erst, nachdem sie im Laufe dieses Prozesses einen Dotter ausgebildet haben. Die Embryonen daraus werden innerhalb des Mutterkörpers aus der Nahrung im Ei ernährt; nicht dagegen über die Placenta im mütterlichen Uterus. Die Jungen werden durch winzige Venen des Mutterkörpers mit Sauerstoff versorgt und geben die Kohlensäure wieder ab und zwar durch die enge Verbindung von winzig kleinen Kapillaren in den Wänden der Follikel, in denen sie sich entwickelten.

Ein kurzer Verbindungsgang leitet die winzigen vollentwickelten Embryonen, wie die Jungen genannt werden, im Augenblick der Geburt zur Geschlechtsöffnung. Dort scheinen sie sich gleichsam aufzurollen und werden dann in die bergende Sicherheit der Pflanzen abgestoßen. Oder aber sie liegen bewegungslos auf dem Sand oder Kies des Bodens. Ihre ersten selbständigen Bewegungen tragen sie stets abwärts, und dort rasten sie eine ganze Weile, bevor sie sich weiterbewegen. Im Becken, sondern sie sich in kleinen Gruppen eine ganze Zeitlang von den größeren Fischen ab.

Der männliche Guppy ist - ebenso wie andere lebendgebärende Fische - mit einem Begattungsorgan (Gonopodium) versehen. Bei der Geburt ist die Afterflosse des Männchens der des Weibchens noch ähnlich. Mit zunehmendem Wachstum verändert sie sich aber langsam, so daß sie im Ruhestadium dünner und länger erscheint als die des Weibchens. Der Flossenansatz am Körper differiert bei den beiden Geschlechtern dann ebenfalls. Die männliche Flosse rückt mit dem Größerwerden immer weiter nach vorn. Nach Entwicklungsabschluß sind die neun Flossenstrahlen dicht aneinandergerückt. Am Ende des längsten Strahls, es ist der dritte, befindet sich ein Häutchen mit einem nach hinten gerichteten Haken. Dieses Häutchen faltet sich über dem Gonopodium. Es befindet sich in ihm aber keine Röhre, wie so oft irrigerweise angenommen wird. Das Geschlechtsorgan liegt dicht hinter dem After.

Vor dem After befinden sich zwei von den Beckenknochen gestützte Bauchflossen, die sich von denen des Weibchen ebenfalls merklich unterscheiden.

Die Begattung vollzieht sich in der Weise, daß die drei umgebildeten Flossen nach vorn schwingen, sich möglicherweise den Bruchteil einer Sekunde berühren, und so eine Röhre bilden, durch welche dann die männlichen Spermien in das weibliche Geschlechtsorgan eingeführt werden.

Beim Männchen wird das Organ, in dem sich das Keimplasma sammelt und das Sperma bildet, Samendrüsen genannt. Eine kurze Röhre verbindet die inneren Geschlechtsorgane mit den äußeren. Die Spermatogenese, wie das Reifen des Spermas vom Keimplasma an genannt wird, unterscheidet sich erheblich von dem Vorgang bei den Säugetieren. Die Samendrüsen sind mit Gewebe angefüllt, das sich aus Keimplasmazellen (Primordiale Geschlechtszellen) zusammensetzt. Während der ganzen Zeit des Teilungsprozesses bringen die Zellen immer mehr ihrer Art hervor. Man nahm an, daß sie sich einmal verausgaben müßten. Jedoch haben Versuche von Zellverpflanzungen bei Säugetieren gezeigt, daß das Keimplasma unvergänglich ist. Es scheint sich nur zu verausgaben, wenn das Tier altert.

Die ersten Zellen, die durch die Urgeschlechtszellen gebildet werden, nennt man Spermatocyten. Diese wiederum bilden sich zu Zellen um, die mit einem Schwänzchen versehen sind, die der Fortbewegung dienen. Die letztgenannten Zellen werden kurz Spermien genannt. Sie liegen eng geordnet in Zellkammern, Spermatocysten genannt. Bei den Säugetieren befindet sich das Sperma in Samenkanälchen mit der Kopfseite nach außen und dem Schwanz nach innen gerichtet. Es bewegt sich in großen Mengen durch den Samenleiter, wie das Kanälchen genannt wird. Aber beim männlichen Guppy bleiben sie ballenförmig zusammengeklebt in sogenannten Spermatophoren. Nicht also Massen von losem Sperma, wie bei Säugetieren, sondern eine Kette von Spermatophoren verläßt den Samenleiter in einen Raum dicht an der Außenseite.

Wie wir schon beobachtet haben, ist die doppelte Afterflosse des Männchens so modifiziert, daß sie eine Vorwärtsbewegung machen kann, um so eine Durchgangsröhre für die Spermien zu bilden. Der Vorgang der Spermaausschüttung geht derart rasch vor sich, daß das menschliche Auge nicht folgen kann. Der Zauberer, der uns mit seinen blitzschnellen Manipulationen blufft, ist schleichend langsam, verglichen mit den Bewegungen des männlichen Guppys. Die Samenträger werden in die weibliche Geschlechtsöffnung hineingestoßen, und, sind sie erst einmal dort eingetreten, zum Eileiter befördert. Der Körper des Weibchens entwickelt die Eier. Die Röhre, welche die männlichen Spermien aufnimmt und zu den Eierstöcken weiterleitet, bezeichnet man mit Eileiter oder Ovidukt. Dieser Name ist allerdings nicht ganz zutreffend, denn Ovidukt bedeutet „Weiterleiten des Eies" - und Guppys legen ja gar keine Eier.

Im Eileiter werden die Spermien von der sie umschließenden Haut befreit. Man nimmt an, daß die von dem Weibchen ausgeschiedenen Sekrete diese Haut aufweichen und so die Spermien freimachen. Das Sperma gelangt dann in die Falten des Uterus und wartet hier auf die ankommenden reifen Eier, um sie zu befruchten.

Die Eibildung ist der Spermienbildung nicht unähnlich. Einige der Urzellen teilen sich, ihr Produkt teilt sich erneut und bildet dann die Eier. Die Anzahl der Eier ist der entscheidende Faktor für die Anzahl der schlüpfenden Jungen. Tausende von Spermien sind für ein Ei bestimmt. Die Natur bildet nur sehr sparsam, ist dagegen mit Spermien ungeheuer verschwenderisch. Bei einer männlichen Samenentleerung der meisten männlichen Säugetiere werden zehn Millionen oder mehr Spermien abgestoßen. Im Falle des Guppys ist es jedoch unbekannt, wieviel in den Körpers des Weibchens eindringen. Die Anzahl der Spermien muß jedoch sehr groß sein, weil nach einer einzigen Begattung annähernd acht Monate lang Wurf nach Wurf hervorgebracht werden kann. Beim Säugetier dagegen lebt das Sperma nur wenige Tage im Uterus des Weibchens.

Die Befruchtung beim Guppy ist ein äußerst interessanter Vorgang. Die Spermien dringen in die Eierstöcke ein und warten auf den ersten Schub der reifen Eier. Jeder folgende Schub Eier wird nicht eher reif zur Vereinigung mit den wartenden Samen, bevor nicht das allerletzte Ei des vorhergehenden Schubes den Körper des Fisches als lebender Embryo verlassen hat. Nach dem Abstoßen des ersten Wurfs entwickeln sich die neuen Eier rasch und werden durch das schon vorhandene Sperma befruchtet. Forschungen haben ergeben, daß die Spermien im weiblichen Körper über acht Monate „ruhen" können und dennoch befruchtungsfähig bleiben.

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften des Weibchens ist wohl ihr Vermögen, eine große Anzahl von Jungen vor und nach der Geburt in sich zu tragen. Wenngleich das Weibchen auch verhältnismäßig groß erscheint, so ist es doch erstaunlich, wie z.B. 75 Junge mitsamt ihrer Embryonalhaut auf so kleinen Platz verpackt sein können. Und ebenso interessant ist die Frage, wie sie diese Menge in ihrem Magen unterbringen kann. Wir beobachteten ein Guppy - Weibchen, das seine Jungen ebensoschnell wieder auffraß, wie es sie gebar. Wenn ein Weibchen seine Jungen in einem Schwarm ruhig um sich her schwimmen hat, jedoch dabei gestört wird, so wird man kurz darauf keine Spur der Nachkommenschaft mehr finden. Vor allem aber liegt der Grund, die Jungen zu fressen, im Hunger der Mutter.

Eines der wichtigsten Probleme ist die Frage, ob ein Weibchen, das bereits von einem Männchen befruchtet wurde, auch noch von einem zweiten oder dritten Männchen befruchtet werden kann. Wir haben versuchsweise ein goldgezeichnetes Weibchen mit einem ebensolchen Männchen gepaart. Während das Weibchen ihre ersten gold - gezeichneten Jungen zur Welt brachten, wurden einige junge Männchen von natürlicher Farbe ins Becken gesetzt. Der nächste Wurf enthielt keine Goldvariation. Die Spermien der naturfarbenen Männchen hatten die Eier befruchtet. Der Versuch wurde viele Male mit demselben Ergebnis wiederholt. Auch als wir später die Gold - Guppy - Weibchen durch Albinoweibchen ersetzten, hatten wir dieselbe Resultate.

Will man einen Schluß daraus ziehen, so läßt sich folgendes sagen: Wird ein Weibchen mit einem bestimmten Männchen gepaart, so kann das Sperma dieses Männchen alle Eier befruchten, aber wenn zur Zeit der Geburt das Weibchen mit einem anderen Männchen zusammengesetzt wird, so befruchtet höchstwahrscheinlich das frischere Sperma dieses Männchen den nächsten Schub Eier. Dieses Resultat ist für die Zucht von eminentem Wert.

Die Trächtigkeitsperiode beträgt 22 bis 24 Tage, und zwar bezeichnet man damit die Zeitspanne zwischen Befruchtung und Geburt. Unter den günstigen Bedingungen erblickt also alle 27 bis 30 Tage eine neue Brut das Licht der Welt. Die fünf bis sechs Tage Unterschied werden für die Zeit berechnet, die für die Entwicklung der Eier einer Befruchtungsperiode nötig ist. Nach 30 bis 35 Tagen lassen sich bereits die Geschlechter unterscheiden. Der Körper der größeren Weibchen bekommt dann den Trächtigkeitsfleck, den die Männchen nicht aufweisen. Bei den Männchen zeigt sich aber bereits die Ausbildung des Geschlechtsorganes. Deutliche Farbpunkte oder schwarze Flecken können vom 40. Tage an festgestellt werden. Bei schnellwachsenden Arten zeigen sich die Schwanzfarben schon nach 28 Tagen. Es bestehen diesbezüglich große Unterschiede. Einige reifen bereits zwei Wochen früher aus als andere. Schnellwachsende Männchen fangen bereits nach 28 Tagen an, Farbe zu entwickeln. In Versuchen ließ sich nachweisen, daß die charakteristische Schwarz - Rot - Gelb- Pigmentierung von Hormonen abhängig zu sein scheint, die in Drüsen erzeugt werden. Das ist eine sehr wichtige Wahrnehmung. Die weiblichen Hormone hemmen die Farbentwicklung, wie sie beim Männchen auftritt. Weibchen, die männliche Hormone injiziert bekommen, entwickeln männliche Eigenschaften. Unreife Weibchen können das Sperma reifer Männchen so lange bei sich tragen, bis sie selbst reif sind. Darum ist es notwendig, alle erwachsenen Männchen aus dem Zuchtbecken mit Jungbrut herauszuhalten, oder aber man muß die Jungen gleich nach der Geburt in ein anderes Becken setzen.

Das unbefruchtete Guppy - Weibchen hat alle 4 bis 6 Tage eine Periode, während welcher es das Männchen annimmt. Dies hat man durch Beobachtungen festgestellt und fernerhin bemerkt, daß, wenn die Temperatur 27 Grad beträgt, jedes Weibchen eine Schrägstellung im Wasser einnimmt. Im kalten Wasser ändert das Weibchen selten seine Stellung, obgleich die Männchen es weiterhin verfolgen, dies sogar, wenn äußerlich kein Sexual - Rhythmus erscheint, noch möglicherweise innere Veränderungen auftreten. Alles erreichbare Beweismaterial überzeugt davon, daß Guppys in warmen tropischen Gewässern fruchtbarer sind.

Man nimmt an, daß das Männchen einen Tag nach Unterbringung im Becken eine Substanz absondert, die veranlaßt, daß das Weibchen die Schrägstellung auch im Wasser unter 27 Grad einnimmt. Manche Züchter stimmten in der Ansicht überein, daß sie bei begattungsscheuen Weibchen bessere Resultate erzielen, wenn sie viele Männchen zu diesem Weibchen ins Zuchtbecken bringen. Es ist vielleicht dieser unbekannten, vom Männchen produzierten Substanz zuzuschreiben, daß dann mehr Aussicht besteht, solche Weibchen zur Befruchtung geneigter zu machen.

Das Nervensystem

Der Guppy hat alle Sinnesorgane der Säugetiere und vielleicht noch andere, die wir bei diesen gar nicht finden. Das Gehirn ist das Hauptwahrnehmungs- und Empfindungsorgan. Das Rückenmark läuft durch den Rückenmarkskanal der Wirbelsäule. Guppys riechen mit den Endungen der Riechnerven. Der Riechnerv verbindet die Nasenhöhle mit dem Gehirn. Der Vorgang des Riechens ist jedoch nicht mit dem Atemsystem gekoppelt. Guppys hören durch zwei geschlossene Höhlungen auf beiden Seiten des Kopfes. Die Höhlungen enthalten Gehörsteinchen (Otolithen), die die Schallwellen übertragen. Sie fühlen mittels in die Haut eingelagerter Nervenverbindungen und der Seitenlinienorgane, die wir bei allen Fischen wieder finden. Sie schmecken ihr Futter. Das Gleichgewichtsempfinden wird anscheinend durch die Gehörsteinchen ermöglicht. Durch die Regenerationsfähigkeit der Nerven geben die Guppys für Neurologen wertvolles Versuchsmaterial ab. Unbeschadet läßt sich nämlich das Rückenmark durchschneiden. Es regeneriert sich innerhalb kürzester Frist wieder - manchmal schon am dritten Tage nach Ausführung der Operation.

Das Ausscheidungssystem

Die Nieren filtrieren das Blut und entfernen daraus die überschüssigen Abfallprodukte, die über die Harnleiter zur Blase gelangen. Niere sowie Blase sind beides kleine Organe. Die Blase entlädt sich durch die Kloake genau hinter dem After. Das Blut trägt die Abfallgase in die Kiemen, durch die sie in das Wasser abgeführt werden.

Buchauszug aus: "Alles über Guppys" von Leon F. Whitney und Paul Hähnel.