Guppy Seite - Zucht, Genetik, Grundfarben, Deckfarben, Haltung, Neon

Traditionelle Linienzucht

Kurzfassung:
Ausgehend von einem Guppypaar oder Trio werden aus diesen Nachkommen mehrere (mindestens 3) Linien gebildet und separat weiter gezogen. Tritt in einer Linie nach einigen Generationen Degenerationserscheinungen auf, so wird von einer Gesunden Linie eingekreuzt oder sogar eine neue Linie gebildet, die den Degenerierten Stamm ersetzt.

Vorteile:
- Relativ schnelles Erreichen eines Zuchtziels

Nachteile:
- Genetische Variabilität ist sehr eng
- dadurch auftreten von Degenerationsschäden (Inzuchtschäden)
- relativ viele Becken werden benötigt
- starke Buchführung

Ausführlich:
Nehmen wir an, der angehende Züchter erwarb bei einer Fischbörse ein Paar wunderschöne rote Guppys. Doch leider entsprechen andere Faktoren, wie eine etwas zu klein geratene Rückenflosse, dem Züchters Wunsch nicht. Er entschließt sich durch Linienzucht diesen Makel zu beseitigen.

Am Anfang setzt er das Paar zur Paarung an. Ist das Weibchen befruchtet wurden, und wird merklich dicker, so wartet er die Zeit bis zum Wurf (F1) ab.
Die Jungfische des einen Wurfes, welche alle Geschwister sind, werden nach ungefähr 4 Wochen nach Geschlechtern getrennt, und sogleich in gleichen Teilen (Männchen und Weibchen) in die jeweiligen Linien aufgeteilt, hier als Beispiel 3 Linien. Als Beispiel: Nehmen wir an das Weibchen hatte 60 Baby geworfen, so werden diese nach 4 Wochen nach Geschlechtern (in 2 extra Becken, am besten in den noch leeren Becken der Linie 1) getrennt, damit eine vorzeitige Befruchtung nicht stattfinden kann. Dann verteilen wir die nun getrennten Jungfische gleichmäßig auf alle Becken der 3 Linien. Das bedeutet wir nehmen 1/3 der Weibchen aus dem Weibchen Becken der Linie 1 heraus, und setzten sie in das Weibchen Becken der Linie 2, sowie 1/3 in das Becken der Linie 3. Das gleiche geschieht mit den Männchen, so das am Ende (wenn wir die 60 Babys in theoretischen 30 Männchen und Weibchen getrennt haben) in jedem Becken nur 10 Fische schwimmen, entweder 10 Männchen oder 10 Weibchen. Wir benötigen hier also schon mindestens 6 Becken für 3 Linien!

Die nun immer älter werdenden Guppys werden mit der Zeit Selektiert. Zuerst wird nach Vitalität sortiert, erst am Ende, wenn die Guppys Zuchtreife erlangen (ca. 5-6 Monate), werden die restlichen, die nicht zu Zucht verwendet werden (da sie den Kriterien nicht entsprechen), herausselektiert.

Aus jeder Linie werden nun die besten Männchen mit den besten Weibchen verpaart (Geschwisterpaarung). Manchmal ist auch eine Rückkreuzung nötig. Dazu wird mindestens ein extra Becken benötigt.
Sind die Weibchen trächtig, so werden sie nach entsprechender Zeit in Laichbecken gesetzt (keine Laichkästen verwenden!), um die Jungen alle abzufangen.
Nun beginnt der Kreis fast wieder von vorne. Wir Selektieren jeden einzelnen Linien Wurf nach 4 Wochen in Männchen und Weibchen und setzten sie in ihre Ursprungslinie zurück. Auf keinen Fall dürfen die Jungtiere aus der Linie 1 in die Linie 2 geraten! Alle 3 Linien werden separat gezogen.

Im laufe der Zeit wird es passieren, das Degenerationserscheinungen auftreten. Ist eine Linie damit stark befallen, so wird sie entweder aufgegeben und aus den beiden anderen Linie eine neue Linie gezogen, oder wir kreuzen Gesunde Tiere der anderen Linie in die kranke Linie ein. Dazu nehmen wir ein Weibchen der Gesunden Linie und kreuzen es mit einem (der besten) Männchen aus der Degenerierten Linie. Die Nachkommen ersetzten die Degenerierte Linie.
In der Regel sollten wir aber nicht solange warten, bis Degenerationserscheinungen auftreten! Nach Faustregel kreuzt man alle 3 Generationen ineinander, wobei dies vom Stamm variiert.

Bevor Sie sich selbst mit der Linienzucht anfreunden möchten, rate ich dazu über die Technik nachzudenken bzw. sie für sich Selbst auszufeilen. Denn Linienzucht ist engste Inzucht! Dazu auch ein "Artikel über Inzucht" in der Rubrik Artikel auf dieser Homepage.