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„Wolfsche" Zuchtmethode

Phase 1:
Stellen wir uns vor, wir haben 2 Becken (ca. 100L) in dem jeweils die besten Männchen und jeweils die besten Weibchen eines Stammes separat aufgezogen wurden sind. Aus diesen Becken nehmen wir im Standartfall je 3 Weibchen und 3 Männchen, und bilden eine Paarungsgemeinschaft.
Das ganze tun wir 3 mal. So erhalten wir 3 Paarungsgemeinschaften mit je 3 Weibchen und 3 Männchen. Das macht zusammen 9 Weibchen und 9 Männchen, also 18 Fische.

Nach gut 1-2 Wochen, nachdem wir sicher gehen können das alle Weibchen befruchtet wurden sind, werden die Fische (jeweils Männchen und Weibchen) zurück in die separaten Aufziehbecken gesetzt.

26 Tage nach dem ersten zusammensetzen dieser Weibchen, also der möglichen Befruchtung, entnehmen wir die Weibchen wieder dem separaten Weibchen Aufziehbecken und separieren sie jeweils einzeln in die Ablaich- bzw. Babybecken (9x 15L).

Jetzt warten wir bis jedes Weibchen geworfen hat, um sie dann sofort zurück in das Weibchen Aufziehbecken zu setzen. So erreichen wir dass möglichst alle Jungen im Wurf überleben.
Benötigt ein Weibchen länger als 35 Tage zum Wurf, so wird der Wurf nicht gewertet und das Weibchen samt nachfolgendem Wurf nicht mehr zur Zucht benötigt.
Weibchen die überhaupt nicht werfen, scheinen nicht befruchtet wurden zu sein (oder sind Unfruchtbar) und gehören zurück ins Aufziehbecken.

Phase 2a: Die Platzsparende Methode.
Die neue F1 wird bis auf ein Alter von ungefähr 4 Wochen aufgezogen, so dass man die Geschlechter exakt trennen kann. Hierauf werden alle Männchen aus allen 9 15L Becken in das Aufziehbecken zu den Alttieren gesetzt. Zu achten sei darauf, das die Alttiere dem jungen nachwuchs möglichst nicht nachsetzten können und wollen. Es sollten im Normalfall alle Jungen überleben! Die Weibchen lässt man weitere 2 Wochen in den Babybecken.

Nach den 2 Wochen suchen wir uns aus jedem der 9 Babybecken jeweils die 6 Vitalsten und (gleich) größten Weibchen heraus und setzten die 54 ausgesuchten Weibchen in die Aufziehbecken zu den Alttieren, welche den Jungen nicht nachstellen sollten! Die restlichen verbleibenden Weibchen in den Babybecken werden nicht mehr benötigt und aus Platzgründen entfernt (Verfüttert, Verschenkt, Verkauft usw.).

Phase 2b: Die Effektive Methode.
Die neue F1 wird bis auf ein Alter von ungefähr 4 Wochen aufgezogen, so dass man die Geschlechter exakt trennen kann. Hierauf werden alle Männchen aus allen 9 15L Becken in 9 separaten Aufziehbecken (z.B. 54L) gesetzt, so das die 9 Würfe weiterhin separat gehalten werden.
Genauso werden gleichzeitig die Weibchen der 9 Würfe in 9 separaten Aufziehbecken (z.B. 54L) gesetzt, so dass die 9 Würfe weiterhin separat gehalten werden.

Phase 3a: Die Platzsparende Methode.
Erreichen die Männchen und Weibchen der F1 in den Aufziehbecken ein Alter von 3 Monate wird das erste Mal Selektiert. Wir entfernen die schwächsten, kränkelten, langsamen usw. aus dem Becken (Krüppel, deformierte usw. werden selbstverständlich vorher entfernt). Daraufhin wird wöchentlich bis ins Alter von 5-6 Monaten (Zuchtreife) Selektiert, so dass am Ende in den Aufziehbecken die 9 besten Männchen und Weibchen übrig bleiben. In den ersten Selektionsmonaten wird nur auf die Vitalität geachtet, erst nach ungefähr 5 Monaten auf Form (Standart) und Farbe.

Anmerkung: Beim Selektieren beider Geschlechter werden auch die von Phase 1 verwendeten Alttiere mit beachtet. Sie können, wenn sie gut genug sind und dem Selektionsstandart entsprechen, wieder verwendet werden.

Phase 3b: Die Effektive Methode.
Aus jedem der 18 Aufziehbecken wird wie bei Phase 3a beschrieben selektiert, sowohl bei Männchen wie bei Weibchen. Es muss in jedem Aufziehbecken, bei den Männchen und Weibchen, nur jeweils 1 Fisch übrig bleiben. Im Idealfall also je 1 weiblicher und 1 männlicher Fisch je Wurf.

Phase 1:
Wir kommen wieder zum Anfang des Kreises, an den Anfang.

„Wolfsche" Zuchtmethode - Die Erklärung

Diese Zuchttechnik, Urversion stammt von Annett Wolf aus Lund (aus Platzgründen entwickelt), verbindet Schwarm- und Linienzucht. Die Schwarmzucht wird benutzt um zu starke Inzucht zu vermeiden, also das (schnelle) Verlieren der Genetischen Variabilität. Die Linienzucht hingegen soll bei starker Inzucht (dadurch schnelles erreichen des Zuchtziel) dafür sorgen, das die Genetische Variabilität durch Einkreuzen wieder stabilisiert wird.

Die Vorteile dieser Zuchtmethode:
1. Alle Fische sind ungefähr gleich alt, ich kann ihre Qualitäten gut vergleichen.
2. Ich habe eine große Auswahl and Zuchttieren, kann also die schönsten aussuchen und somit eine gezielte Zucht betreiben (Hochzucht).
3. Eine hohe Genetische Variabilität bleibt erhalten.
4. Nach viel Geduld sollte das Endprodukt theoretisch schöner als bei starker Inzucht, weil keine guten Merkmale verloren gehen (durch Genetische Variabilität und Einkreuzung).
5. Die weibliche Wahl wird beachtet.
6. Relativ geringe Beckenanzahl wird benötigt.
7. Man hat Tiere übrig, um sie zu Ausstellungen zu schicken.
8. Weniger Arbeit in der ruhigen Selektionsphase. Die Buchführung wird vereinfacht, da man nicht mehr (eindeutig) feststellen kann wer Vater und Mutter war.

Die Nachteile dieser Zuchtmethode:
1. Da alle Würfe auf einmal kommen, gibt es viel Arbeit.
2. Man besitzt mehrere Monate keine Vorzeigetiere, bis diese Ausgewachsen sind (außer man hebt sich in extra Becken welche auf).
3. Einheitliche Fische werden langsamer erreicht als bei starker Inzucht (d.h. ich benötige mehr Generationen und mehr Geduld).
4. Andre Leute kommen bestimmt auf noch ein paar mehr Nachteile.

Gehen wir nun genauer auf die einzelnen Phasen ein.

Zu Phase 1:
Frage: Warum entnehmen wir 3x jeweils 3 Männchen und 3 Weibchen um sie in einer von 3 Paarungsgruppen zu setzten? Wir könnten doch gleich alle 9 Männchen und 9 Weibchen in ein großes Paarungsbecken als eine Gruppe setzen?
Antwort: Nein! Durch die Gruppen gehen wir sicherer, das nicht ein Männchen in der ganzen Gruppe alle Weibchen allein Befruchtet und die anderen Männchen ihre Gene nicht weitergeben können, was uns Genetische Variabilität kostet.
Durch 3 Gruppen sichern wir, dass mindestens 3, maximal 9 Männchen ihre Gene weitergeben können. Bei einer großen Gruppe könnte es theoretisch passieren, das nur 1 von 9 Männchen alle 9 Weibchen Befruchtet!

Frage: Warum bilden wir dann nicht 9 Gruppen mit je 1 Männchen und 1 Weibchen?
Antwort: Guppy Weibchen werden, wie angenommen, nicht Vergewaltigt, sondern müssen einer Paarung zustimmen (siehe Petzold). Das Männchen Balzt um das Weibchen. In einer Gruppe von mehreren Männchen werden nur die aktivsten Männchen ihre Gene weitergeben können, was zusätzlich einer natürlichen Selektion entspricht. Wir erhalten somit nur die aktiven und paarungsstarken Tiere. In der Praxis schafft es aber auch in einer Gruppe meist jedes Männchen nach einer gewissen Zeit (hier 1-2 Wochen) das Weibchen zu Befruchten. Sogar Mehrfachbefruchtung eines Weibchen von unterschiedlichen Männchen ist möglich, bei dem der gleiche Wurf eines Weibchens dann Babys von verschiedenen Vätern haben kann, was bei dieser Zuchtmethode nicht nachteilig ist sondern gewollt!

Frage: Und wieso nehmen wir in eine Gruppe 3 Männchen und 3 Weibchen, und nicht 2 Männchen und 3 Weibchen oder 4 Männchen und 3 Weibchen je Gruppe usw.?
Antwort: Bei 3 Männchen und 3 Weibchen gehen wir vom Standartfall aus. Nach der Genetischen Variabilität wird bei 3 Gruppen mit insgesamt 9 Männchen und 9 Weibchen je Generation ein Verlust von Genvariabilität um nur -2,8% erreicht. Bei 6 Männchen und 9 Weibchen wird die Inzucht stärker, wobei man dadurch wiederum schneller ein gewünschtes Ziel erreichen kann, aber einen Verlust von Variabilität von -3,5% in kauf zu nehmen hat.
Bei 3 Männchen und 9 Weibchen wären dies -5,6%.
Je höher der Verlust, desto schneller treten Degenerationserscheinungen auf, also Inzuchtschäden. Bei unserem Standartfall mit insgesamt 9 Männchen und 9 Weibchen können wir 24 Generationen Züchten, bis wir einen Verlust von ungefähr 50% erreichen. Bei 3 Männchen und 9 Weibchen sind es nur 12 Generationen. Je nach zusammenstellung des Männchen Weibchen Verhältnis ändern sich diese Zahlen. Unser Beispiel mit 9 Männchen und 9 Weibchen sollte ausreichen, um über viele Generationen ohne Schäden züchten zu können, bei dem kein so schnelles Einkreuzen von „Frischblut" nötig ist, was viele Gefahren für einen gefestigten Stamm mit sich bringen kann.

Frage: Warum werden die Weibchen nach dem Befruchten wieder in das große Aufziehbecken gesetzt, und dann 2 Wochen später wieder zurück in die Baby- bzw. Laichbecken zum Werfen?
Antwort: Lassen wir die Weibchen die ganze Zeit in den Babybecken, so ist der Stress der Isolation auf lange Zeit zu groß und schlägt sich negativ auf die Tiere nieder.

Frage: Weibchen die zum Werfen länger als 35 Tage benötigen werden aus der Zucht genommen, warum?
Antwort: Wir möchten Gesunde Tiere Züchten, die möglichst alle eine Tragezeitdauer von ungefähr 4 Wochen besitzen. Das ist einfacher für die Datierung der Würfe und vereinheitlicht die Fische besser.

Frage: Wieso aber werden Weibchen, die überhaupt nicht Werfen, also nicht schwanger geworden sind, zurück ins Aufziehbecken gesetzt?
Antwort: Es kann möglich sein das dieses Weibchen nicht erfolgreich Befruchtet wurden ist, aber durchaus die nächste Runde der Selektion in den Aufziehbecken übersteht und so das nächste Mal sehr gute Ergebnisse bringen kann.
Ein Problem stellt aber Unfruchtbarkeit dar. Diese können wir erst eindeutig bemerken, wenn das gleiche Weibchen in der nächsten „Runde" wieder anscheinend nicht Befruchtet wurden ist, also keinen Wurf hat. Dann wird es endgültig entfernt und zur Zucht nicht weiter verwendet!

Zu Phase2a:
Frage: Die Jungtiere werden schon zwischen 4-6 Wochen zu den Alttieren gesetzt? Gleicht das nicht einem Idiotentun?
Antwort: Die Jungen sind in diesem Alter groß und schnell genug, den restlichen (im Normalfall 9) Alttieren zu entkommen. Dafür sorgen ebenfalls gute Versteckmöglichkeiten.
Nur die schwächsten und „dümmsten" sterben durch die natürliche Selektion, die starken bleiben im Normalfall erhalten. Zudem Wachsen Jungtiere schneller, wenn sie bei größeren Guppys untergebracht sind, vorausgesetzt sie bekommen auch ihre extra Nahrung.
Ich gehe nicht davon aus, das wir wie am Anfang der ersten 4 Lebenswochen die Jungen Mastzüchten. Nicht zuletzt sparen wir mit dieser Methode auch zusätzliche Becken.
Manche Züchter würden durch diese Methode zusätzlich Kannibalistisch veranlagte Guppys ausfindig machen und entfernen, damit sie ihre Kannibalistischen Gene nicht weitergeben.

Frage: Weshalb werden alle Männchen aus allen Würfen in das Aufziehbecken gesetzt, aber nur von jedem Wurf jeweils die 6 Vitalsten und (gleich) größten Weibchen?
Antwort: Ob es nun 5, 6 oder 7 ausgewählte Weibchen aus jedem Wurf sind, spielt keine Rolle. ABER aus jedem Wurf müssen GLEICHVIELE Weibchen entnommen werden. Es geht nicht aus Wurf 1 nur drei Weibchen zu entnehmen und aus Wurf 2 plötzlich 4 Weibchen. Warum? Damit wir später bei der Selektion im Aufziehbecken eine relativ gleiche Chance haben aus jedem Wurf die gleiche Anzahl Weibchen zur Neuzucht übrig zu lassen, da wir sie aus Platzgründen wie oben beschrieben in Phase 2a alle in ein Aufziehbecken setzten, wissen wir nicht mehr wer Vater und Mutter waren.
Zudem scheint es meiner Meinung besser zu sein, nur die größten Weibchen zu nehmen die zusammen aber möglichst alle gleich groß sein sollten! Das festigt den Stamm besser auf eine einheitliche Größe.

Frage: Was hat es mit Phase 2b und Phase 3b auf sich?
Antwort: Im Idealfall, den wir meist nicht erfüllen können da zu wenig Becken vorhanden sind, trennen wir jeden Wurf einzeln in Aufziehbecken. So wird eine 100% Gewährleistung gegeben, später bei der Verpaarung nahe Geschwisterinzucht zu vermeiden. Im unserem Standartfall, wie in Phase 2a und 3a, existiert sehr wohl die Wahrscheinlichkeit der nahen Geschwisterpaarung (also die aus demselben Wurf). Die Wahrscheinlichkeit wird aber durch die Technik in Phase 2a überwiegend vermindert.
Phase 2b und 3b sind somit nur für uns von Bedeutung, wenn wir uns peinlich das Ziel gesetzt haben, möglichst Inzucht zu minimieren und so die Genetische Variabilität hochzuschrauben, sowie genügend Becken zur Verfügung haben. Im Normalfall ist Phase 2b und 3b aber nicht von Bedeutung, da wir schon mit 18 Fischen (also durch die 3x 3m&w gruppen) je Generation lange genug züchten können, bevor wir zu starke Degenerationserscheinungen erhalten.

Zu Phase 3a:
Frage: Warum werden die Guppys nicht vor dem Alter von 3 Monaten wöchentlich Selektiert?
Antwort: Vorher werden nur die Männchen und Weibchen Selektiert, die krankhaft sind, Genschäden aufweisen usw. Gesunde Tiere bleiben. Erst nach den 3 Monaten sind die Fische bereit genug sie nach Vitalität zu Selektieren (da der größte Wachstumsprozess bis dahin abgeschlossen ist). Wöchentlich wird der Bestand dann kontrolliert. Erst viel später folgt dann die Selektion nach Form und Farbe.
Die endgültige Körperform und Farbe wird im Normalfall erst im Alter von 5-6 Monate erreicht. Hier ist es von Stamm zu Stamm unterschiedlich, weshalb man seinen Stamm ausgiebig kennen sollte!

Allgemeine Fragen:
Frage: Was passiert mit dem Nachwuchs der Weibchen, die schon einmal geworfen haben und zurück ins Aufziehbecken kommen und dann alle weitere 4 Wochen Jungen werfen?
Antwort: Bis zum nächsten Zuchtansatz vergehen mehr als 5 Monate, in der Zeit können die befruchteten Weibchen weitere 4-5 mal werfen. Wir ignorieren die Jungtiere aber, da die Würfe für uns nicht von Bedeutung sind. Es ist lediglich dafür zu Sorgen, die Jungtiere aus der Zucht auszuschließen. Wie das gemacht wird, sei jedem selbst überlassen. Manche lassen sie 1-2 Tage im Becken als Nahrung für die Alttiere, und fischen dann den rest raus. Auf jeden fall müssen diese ungewollten Würfe im Aufziehbecken bis auf den letzten Fisch raus!
Manche beobachten vorher auch, welches Alttier besonders Kannibalistisch auf den Nachwuchs veranlagt ist, und selektieren dabei gleichzeitig auf Non- Kannibalismus.
Auf jeden fall dürfen aber keine Jungtiere des Wurfes überleben bzw. sich im Becken befinden! Sie sind nicht Selektiert und uns nicht von Nutzen.

Frage: Altweiber Guppys, die schon einmal Befruchtet wurden sind und geworfen haben, werden wieder nach 5-6 Monaten zur Zucht angesetzt. Ich habe gehört, dass aber Guppyweibchen Sperma bis zu 11 Würfen speichern können. Wird eine Neubefruchtung funktionieren?
Antwort: In der Regel, ja! In den 5-6 Monaten wird die Dame noch weitere 4-5 mal geworfen haben, und ihren Spermavorrat dezimiert haben. Zudem befruchtet frisches Sperma bevorzugt! Wird sie erneut nach dieser langen Abstinenz befruchtet, sind die nächsten Jungtiere meist vom neuen Vater.

Weitere Tipps:
Achtet darauf dass ihr in jeder Zuchtgruppe möglichst gegensätzliche Fische von den letztlich 9 Selektierten männlichen und 9 weiblichen unterbringt.
Haben wir Beispielsweise unter unseren ausgewählten Zucht 2 sehr attraktive (aktive, guter Standart usw.) Männchen, so bringen wir sie nicht beide zusammen in eine Zuchtgruppe, sondern verteilen sie in zwei verschiedene. Das gleiche gilt für Weibchen. Damit gewährleisten wir eine bessere Befruchtungsrate der sehr guten Guppys.